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CHANCENGERECHTIGKEIT (2)
'Chancenspiegel': Beim jetzigen Tempo dauert der Ausbau der Ganztagsschule noch fünfzig Jahre
Dräger (Bertelsmann-Stiftung): Bildungspolitischer Fortschritt nur im Schneckentempo | Verantwortliche müssen "Systemrelevanz" von Bildung erkennen
zwd Berlin (ig). Mit der Chancengerechtigkeit geht es in Deutschland nur im Schneckentempo voran. Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmann-Stiftung in dem von ihr gemeinsam mit dem Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung und dem Jenaer Hochschulinstitut für Erziehungswissenschaften zu zweiten Mal herausgegebenen 'Chancenspiegel'. Darin wird die Leistungsfähigkeit der deutschen Schulsysteme untersucht. Ein wesentlicher Punkt der Studie besteht in der länderspezifischen Aufdifferenzierung der Daten, die eine Beurteilung der schulreformerischen Maßnahmen in den einzelnen Bundesländern erlaubt.

Bertelsmann-Vorstandsmitglied Jörg Dräger nannte sowohl Licht- als auch Schattenseiten der Schulentwicklung in Deutschland. Den stärksten Positiv-Trend seit dem Schuljahr 2009/2010 habe Deutschland bei den Schulabschlüssen verzeichnen können. Der Anteil der Schulabbrecher sei um mehr als ein Zehntel von 6,9 auf 6,2 Prozent gesunken. Dagegen erreiche jeder Zweite inzwischen einen Schulabschluss, der zu Hochschulstudium berechtige. Negativ bewertete Dräger die Situation beim Kompetenzerwerb. Wie schon 2009/2010 liegen Kinder aus sozial niedrigen Schichte bei der Lesekompetenz bereits im Alter von zehn Jahren durchschnittlich um ein Jahr zurück. Soziale Nachteile ergeben sich für viele Kinder auch aufgrund fehlender Ganztagsschulplätze. Der Anteil der SchülerInnen im Ganztagsbetrieb sei zwischen 2010 und 2011 lediglich von 26,9 auf 28,1 Prozent gestiegen, wobei aber nur die Hälfte der Kinder eine "pädagogisch sinnvollere 'gebundene' Ganztagsschule besuche. Zu wenig bewegt sich nach den Worten Drägers auch bei der Inklusion sowie bei der Durchlässigkeit des Schulsystems. Immer noch sei die Wahrscheinlichkeit, von einer höheren in eine niedrigere Schulart wechseln zu müssen, wesentlich größer als umgekehrt. Einen Aufstieg stünden in der Mittelstufe 4,2 Abstiege gegenüber (Vorjahr: 4,3).

Grundlage des 'Chancenspiegels' waren Zwei-Jahres-Vergleichs- Untersuchungen des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung (Prof. Wilfried Bos) und des Instituts für Erziehungswissenschaften (IfE) der Universität Jena (Prof. Nils Berkemeier). Nach Angaben der Forscher erlaubt der 'Chancenspiegel' als ein "theoretisch fundiertes und indikatorenbasiertes Instrument der Bildungsberichterstattung" eine vergleichende Beobachtung der aktuellen Gerechtigkeitsverhältnisse in den Schulsystemen und eine differenzierte Analyse der verschiedenen Politiken und Schwerpunktsetzungen der Bundesländer.

Ausführlicher Bericht in der Beilage "Chancengleichheit und Politik" des nächsten zwd-Magazins BILDUNG. GESELLSCHAFT. KULTUR UND POLITIK (Nr. 5).
(25.06.2013)
 
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