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NATIONALE KONFERENZ
Von der Leyen: Inklusion muss im ganzen Land selbstverständlich werden
Karakaşoğlu: Bund muss mitwirken dürfen | Erste Nationale Konferenz von Bundesregierung und Kultusministerkonferenz
zwd. Berlin (ig/no/rk). Bund und Länder wollen ihre Anstrengungen intensivieren, um die seit 2009 geltenden Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention auf allen Ebenen des Bildungssystems und des Arbeitsmarkts umzusetzen. Das ist das Ergebnis der ersten Nationalen Konferenz „Inklusion gestalten – gemeinsam. kompetent. professionell“, die am 17. und 18. Juni im Berlin veranstaltet wurde. Die Bremer Professorin Yasemin Karakaşoğlu, Mitglied im Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, plädierte dafür, den Bund dabei finanziell stärker einzubinden.

Nach Auffassung von Karakaşoğlu müssen für die Inklusion finanzielle, institutionelle und personelle Voraussetzungen geschaffen werden, um die schulischen Rahmenbedingungen „an den Schülern zu orientieren und nicht umgekehrt“. Diese Aufgabe könnten die Länder allein nicht schultern. Notwendig sei die Abschaffung des Kooperationsverbotes in der Bildung, damit auch der Bund Verantwortung übernehmen könne. Karakaşoğlu verwies darauf, dass in Deutschland nach wie vor lediglich 29 Prozent der Schüler und Schülerinnen mit besonderem Förderbedarf in Regelschulen beschult würden. Hingegen sei in europäischen Nachbarländern wie Großbritannien oder Dänemark die Quote doppelt so hoch, in Skandinavien liege sie sogar bei 100 Prozent.

Bund und Länder bekennen sich zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Bei der ersten Nationalen Inklusions-Konferenz hatten sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und der Präsident der Kultusministerkonferenz Stephan Dorgerloh (SPD, Sachsen-Anhalt)) zur gemeinsamen Verantwortung von Bund und Ländern für die Umsetzung der UN-Behimdertenrechtskonvention bekannt. Nach den Worten der Bundesarbeitsministerin muss das gemeinsame erfolgreiche Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung im ganzen Land selbstverständlich werden.

Um diese Entwicklung zu forcieren, hatten die Bundesregierung und die Kultusministerkonferenz mehr als 400 WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und BildungsexpertInnen aus Praxis und Verwaltung sowie VertreterInnen der Behindertenverbänden gemeinsam zu dieser ersten nationalen Inklusions-Konferenz eingeladen. Alle Teilnehmenden waren sich einig: Inklusion braucht Professionalität – im Bereich der Kindergärten und der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen ebenso wie im Hochschulbereich. Voraussetzung dafür ist, wie in den Diskussionen auf der Konferenz deutlich wurde, die Implementierung von Inklusion in die Lehrer-, Fort- und Weiterbildung auf der einen Seite und die Verankerung inklusionsbezogener Lehr- und Lernziele in hochschuldidaktische Curricula sowie eine Anpassung der Studien- und Prüfungsordnung auf der anderen Seite. Wie das geschehen könnte, dazu hatten im Vorfeld der Konferenz im Auftrage der Einladenden verschiedene HochschullehrerInnen Expertisen erstellt, um Handlungsstrategien und Forschungsvorhaben mit dem Ziel der Ausbildung und Professionalisierung von Fachkräften in den verschiedenen Bildungsbereichen aufzuzeigen.

Eine ‚inklusive Kultur’ muss sich herausbilden

Zur Akzeptanz von Inklusion muss sich zunächst – wie Prof. Tony Booth von der Cambridge Universität auf der Konferenz unterstrich – eine ‚inklusive Kultur’ herausbilden. Unterstützung fand seine Position vor allem bei der körperbehinderten Wissenschaftlerin und Sonderpädagogin Swantje Köbsell (Universität Bremen), die für eine ‚Enthinderung in der Gesellschaft’ plädierte. Diese Intention schien jedoch selbst auf dem Kongress noch entwicklungsbedürftig, wie die Sitzordnung zeigte: Auf der einen Seite des Konferenzplenums saßen Menschen mit Behinderung, auf der anderen Seite Menschen ohne Behinderung.

Bundesarbeitsministerin von der Leyen machte deutlich, wie sehr die Bemühungen, inklusives Lernen auf allen Lebensstufen zu praktizieren, noch am Anfang steht: Die ‚Initiative Inklusion’, eine der bedeutendsten Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans des Bundes, habe seit dem vergangenen Jahr 5.000 junge Menschen mit Behinderung in eine Ausbildung vermitteln können Das entspreche jedoch nur einem Viertel des angestrebten Ziels von 20.000 Vermittlungen in den Bildungsbereich. Auch bei den Schwerbehinderten machen diese Zahlen nur einen Tropfen auf den heißen Stein aus. 2012 konnten gerade einmal 200 Schwerbehinderte eine Ausbildung beginnen, so von der Leyen. Die Vermittlung von 1.300 Personen werde in den nächsten Jahren angestrebt. „Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen ganz normal am Arbeitsleben teilnehmen, die beste Voraussetzung dafür ist gute Bildung“, unterstrich Ministerin von der Leyen.

Wanka: "Inklusion darf kein Vorwand für Sparprogramme sein"

Es zahle sich aus, in eine qualitativ hochwertige inklusive Bildung zu investieren, unterstützte Wanka ihre Kabinettskollegin. Die Bundesbildungsministerin wandte sich zugleich gegen eine Schließung von Förderschulen aus Kostengründen, die mit der Inklusion begründet werde: „Inklusion darf kein Vorwand für ein Sparprogramm sein“. Der Erfolg der inklusiven Bildung könne jedoch nicht nur an der Schule festgemacht werden, hatte der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Dorgerloh, mit Verweis auf die Verantwortung und Rolle der Gesellschaft betont: „Wir müssen lernen, neu zu denken. . . Viele müssen mitgenommen und überzeugt werden, damit Inklusion gelingt und ein Gewinn für alle ist.“
(22.06.2013)
 
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