zwd Berlin. Wenn es einen Pflegefall in einer Familie gibt, sind es in 70 Prozent der Fälle die Frauen, die sich dann um den oder die Angehörige*n kümmert. Aus dem Gutachten, das den Fokus auf Armut und Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen gelegt hat, geht ferner hervor, dass es sich in Deutschland um drei Millionen Frauen handele, die Pflegearbeit für Angehörige leisten. Ungefähr zwei Drittel dieser Frauen (65%) gehen hinzukommend einer Berufstätigkeit nach.
Die Belastung der Pflegearbeit wirkt sich häufig sehr negativ auf die Altersvorsorge aus. Denn die betroffenen Frauen leisten durchschnittlich 21 Stunden pro Woche unbezahlter Pflegearbeit, was die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf erschwert. Der Studie zufolge würden sich viele Frauen sogar vollständig aus dem Berufsleben zurückziehen, erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer. Dies habe weitreichende Folgen für das Einkommen im Alter, da die unterbrochene Erwerbsarbeit bedeute, dass geringere Beiträge in das Sozialversicherungssystem einfließen – manche Frauen seien sogar ausschließlich über ihren Partner versichert.
Deshalb fordert Bauer, die unbezahlte Sorgearbeit aufzuwerten, indem ein finanzieller Ausgleich für die Pflegenden erfolgt. Dies könnte einerseits Frauen finanziell entlasten und andererseits ein Anreiz für Männer sein, sich mehr an der Pflege zu beteiligen. Damit Pflege- und Berufstätigkeit besser miteinander vereinbart werden können, forderte er, dass haushaltsnahe Dienstleistungen ausgebaut und die Arbeitszeiten an den Lebensalltag der Pflegenden angepasst werden.
Ferner geht aus dem Gutachten hervor, dass Frauen im Vergleich zu Männern im Durchschnitt täglich 87 Minuten mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten. Gekoppelt mit der Erwerbsarbeit bedeutet dies, dass Frauen in ihrem Leben insgesamt 18 Jahre mehr arbeiten als Männer.