BERICHT : Täglich mehr als 20.000 Mädchen illegal verheiratet

6. November 2017 // Rita Schuhmacher

Jeden Tag werden mehr als 20.000 Mädchen „illegal“ verheiratet – das heißt vor dem gesetzlich festgelegten Mindestheiratsalter. Diese Zahlen gehen aus einem Bericht der Weltbank und der Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ hervor.

zwd Berlin. Illegal geschlossene Kinderehen machen demnach etwa zwei Drittel (68 Prozent) aller Kinderehen weltweit aus. In den vergangenen zwei Jahren wurden zwar in neun Ländern Verbesserungen vorgenommen – vor allem durch Erhöhung des Mindestheiratsalters ­­– und die meisten Länder haben 18 als legales Alter für die Heirat von Mädchen angenommen. Viele Länder jedoch erlauben jüngeren Mädchen, mit elterlicher oder gerichtlicher Zustimmung zu heiraten und die Anwendung des staatlichen Rechts ist auf Grund von gewohnheitsrechtlichen und religiösen Gesetzen nur schwer umzusetzen.

Fast 15 Millionen Mädchen weltweit sind bei ihrer Hochzeit jünger als 18 Jahre gewesen. Die Konsequenzen einer Kinderehe könnten verheerend sein. Eine derart frühe Hochzeit verkürze das Leben der Mädchen, die wegen der Heirat die Schule verlassen und nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen würden, warnt Helle Thorning-Schmidt, Vorstandsvorsitzende der Hilfsorganisation Save the Children International und ehemalige dänische Ministerpräsidentin.

Rechtlicher Schutz im Nahen Osten und in Nordafrika am schwächsten

Die Zahlen des Berichts beziehen sich auf den Anteil der nicht gesetzlich geschützten Mädchen. Demnach ist der rechtliche Schutz ist im Nahen Osten und in Nordafrika am schwächsten. Drei von vier Mädchen (73,3 Prozent) zwischen 10 und 17 Jahren sind 2017 nicht gegen Kinderheirat geschützt, wenn die Möglichkeit einer elterlichen oder gerichtlichen Einwilligung anerkannt wird.

In Südasien liegt das Verhältnis bei 47,7 Prozent, damit ist fast jedes zweite Mädchen betroffen. Die Region mit den meisten Fortschritten bei der Verbesserung des Rechtsschutzes gegen Kinderheirat zwischen 2015 und 2017 ist Lateinamerika und die Karibik. In dieser Region sank der Anteil der nicht gesetzlich geschützten Mädchen von 36,6 Prozent im Jahr 2015 auf 22,7 Prozent im Jahr 2017. Im Gegensatz dazu stieg der Anteil der Mädchen, die bei der Berücksichtigung der elterlichen Zustimmung nicht geschützt waren, aufgrund von Gesetzesänderungen in Bangladesch in Südasien von 33,4 Prozent auf 47,7 Prozent. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass der Schutz in Ländern mit niedrigem Einkommen tendenziell besser ist als in den anderen Landeinkommensgruppen.

Neun Länder haben zwischen 2015 und 2017 positive Änderungen ihrer Gesetze vorgenommen: Tschad, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, Malawi, Mexiko, Nepal, Panama und Simbabwe.

Die Herausgeber*innen des Berichts empfehlen, das Mindestheiratsalter überall und ohne Ausnahmen auf mindestens 18 Jahre zu erhöhen. Damit entsprechende Regelungen auch eingehalten werden, seien zudem weitere Maßnahmen notwendig. Laut Bericht ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, Kinderehen zu verhindern, Mädchen und junge Frauen so lange wie möglich in der Schule zu halten.

Viele Regierungen verabschiedeten jetzt nationale Strategien zur Beendigung von Kinderehen, aber noch wichtiger sei die Annahme von Aktionsplänen mit klaren Interventionen, um die Ehe zu verzögern und die Investitionen in die ärmsten und am stärksten marginalisierten Mädchen zu erhöhen.

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